Sep 02 2010
Sarrazin zur Judenfrage
Glaubt man dem Spiegel, hätte sich Sarrazin verrannt als er über die Gene der Juden sprach. Die hinterhältige “Welt” hätte ihn aufs Glatteis geführt und er, unbeholfen wie er ist, mit den jüdischen Genen darauf geantwortet und in einem Blackout ist ihm diese Passage bei der Genemigung des Interviews aus dem Blick geraten. Nicht, weil es so wunderbar spannend ist, hier ein paar Originalworte eines der kompetentesten VWLer Deutschlands.
1. Thilo Sarrazin zur Judenfrage
S.93: “Bereits die frühe Intelligenzforschung hat bei Juden europäischer Provenienz einen um 15 Punkte höheren IQ festgestellt als bei den anderen Mitgliedern europäischer Völker und deren Nachfahren in Nordamerika.“
S. 95: “Die spezifische Kultur der osteuropäischen Juden und der hohe Status, den Intellektuelle und Gelehrte in ihren Gemeinwesen besaßen, führten hier zu einer überdurchschnittlichen Vermehrung der besonders Intelligenten.”
S.95f: “Erklärt wird die durchschnittliche höhere Intelligenz der Juden mit dem außerordentlichen Selektionsdruck, dem sie sich im christlichen Abendland ausgesetzt sahen. (…) Der Rabbi hatte hohe Fortpflanzungschancen, weil er 95 die reiche jüdische Kaufmannstochter heiraten konnte. Eine über Jahrhunderte betriebene Familien- und Heiratspolitik, die dem intellektuellen Element überdurchschnittliche Fortpflanzungschancen gab, führte allmählich zur Ausbildung der überdurchschnittlichen Intelligenz.”
S.96: “Der Psychologe Wilhelm Peters (geb. 1880 in Wien) untersuchte anhand von Zeugnissen den Zusammenhang zwischen den Schulleistungen von Eltern und Kindern sowie den Einfluss der Vererbung auf die geistige Leistung von Kindern und errechnete eine durch Vererbung zu erklärende Geschwisterkorrelation von 0,42. Wenn man natürliche Selektion als Ergebnis der unterschiedlichen Lebensbedingungen von Ethnien annehmen müsse, so sein Schluss aus den vertiefenden Studien zur Vererbung von Begabungen, könne man die Möglichkeit erblicher Unterschiede zwischen Ethnien auch im Psychischen nicht ausschließen.”
S.97: “Ich bin auf die deutsch-jüdischen Ursprünge der Intelligenzforschung etwas näher eingegangen, weil die Diskussion der genetischen Komponent e von Intelligenz häufig auf große emotionale Widerstände stößt. Die Erkenntnis, dass Intelligenz zum Teil erblich ist, verträgt sich nur schwer mit Gleichheitsvorstellungen, nach denen die Ursachen von Ungleichheit unter den Menschen möglichst weitgehend in den sozialen und politischen Verhältnissen zu suchen sind.” (Herv. Daeva)
2. Und ein besonderer Leckerbissen: So löst Sarrazin die Judenfrage
S. 288 “In Frankreich wanderten in mehreren Schüben Polen, Juden, Chinesen und Vietnamesen ein. Sie hatten wirtschaftlichen Erfolg, integrierten sich problemlos und verschmolzen allmählich mit der Mehrheitsgesellschaft, ohne jemals staatliche Hilfen in Anspruch zu nehmen. Gan z anders die Probleme Frankreichs mit den arabischen
Migranten insbesondere aus Algerien. Walter Laqueur vermutet: »Es muss in der geistigen Einstellung jener, die sich marginalisiert fühlen, etwas geben, das es ihnen erschwert, im Leben Erfolg zu haben.«”
Wie Sarrazin auf Seite 97 (s.o.) schreibt gäbe es eine Trennung zwischen Deutschen und Juden. Offensichtlich verhindert die Religion den Juden Deutsche zu sein, zumindest richtige Deutsche. In diesem Abschnitt (S.288, übrigens, passendes Zahlenspiel) erklärt Sarrazin, dass sich Juden erfolgreich integriert hätten. Offensichtlich gab es etwas an ihnen, dass es ihnen in ihren “Heimatländern”1 nicht ermöglicht hat erfolgreich zu sein, weswegen sie “ausgewandert” sind.2 Hier, in Westeuropa, genauer Frankreich, gelang es ihnen aber sich von ihrer geistigen Grundhaltung3 abzuwenden und sich erfolgreich zu integrieren. Ganz anders als z.B. die Moslems, wofür Sarrazin Walter Laqueur als Paten heranzieht. Andere Vertreter des 19. Jahrhunderts nannten dies in Bezug auf Juden schlicht Emanzipation.
Die schwierige Frage, ob Sarrazin nun dumm oder Antisemit ist, überlasse ich lieber jemand anderen.
Quelle:
Sarrazin, T. (2010). Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen. DVA-Verlag. München.
6 Kommentare
6 Kommentare to “Sarrazin zur Judenfrage”

So ein Schritt weiter, die Bundesbank hat den Sarrazin entlassen, der Wulf wird ja nix dagegen einzuwenden haben. Jetzt ist der Gabriel am Zuge. Ich bin mal gespannt wie das bei der SPD jetzt vorangeht, denn der Gabriel hat sich ja am Wochende entsprechend geäussert.
Das ist mir eigentlich egal.
In den Debatten kristallisiert sich etwas anderes für mich heraus, was auch schon bei Westerwelles Armenhetze der Fall gewesen ist. Nicht der transportierte Inhalt wird kritisiert, grundsätzlich stimmt man dem zu, sondern die Art und Weise wie sie präsentiert wird und einzelne “Verfehlungen”. Der Spiegel, die Bildzeitung für Intellektuelle, schreibt es sogar: Sarrazin hat sich verrannt.
Drei Grundannahmen teilen sie: (1) Zwischen Reichtum, Wohlstand und Armut entscheidet das Individuum in freier Wahl. (2) Individuen sind in Kulturen aufgeteilt, die je nach dem zusammenpassen oder nicht. Kriminelle schweizer Bankmanager, die in Insiderhandel verwickelt sind, sind zum Beispiel hervorragend integriert und zählen zur Leistungselite. (3) Ob Individuen anderer Kulturen sich hier erfolgreich durchsetzen können in Konkurrenz zu allen anderen, ist schlußendlich Ergebnis ihrer Integrationsfähigkeit. Sowohl Leistung wie auch Integration beweist sich nicht am Willen, sondern nur daran, in welcher Position man steht.
Bei Sarrazin erleben wir nur den sehr in den Medien breitgetretenen Ablauf der Kulturalisierung sozialer Ungleichheit. Das kann man prima mit Kürzung und anschließender Privatisierung sozialer Systeme und sozialer Einrichtungen verbinden. Der Staat bietet wie in jeder Dritte-Welt-Bananenrepublik eine Mindestversorgung und wer mehr für sich, seine Kinder oder die ergreisten Eltern/Großeltern haben möchte, muss dies am Markt einkaufen (auch, wenn man polnische, bulgarische oder ugandische Pflegekräfte schwarz beschäftigt, kauft man ihre Dienstleistung am Markt ein). Infrastruktur werden wir hier haben getreu dem englischen Modell: Wenn es nicht entgleist, dann funktioniert es.
Über die Verteiltung des tatsächlichen Reichtums, die Frage wie wir produzieren, konsumieren und leben stellt sich niemand die Frage. Als (Vize-)Exportweltmeister könnten wir uns sicherlich eine 20h-Woche leisten. Die restliche Zeit kann man durchaus für gewagte Experimente wie Fortbildung am Arbeitsplatz aufbringen.
@Daeva: Du beschreibst den liberalen Rassismus von Sarrazins Gegnern ziemlich treffend, Sarrazin argumentiert aber teilweise anders. Für ihn ist anders als bei den Liberalen nicht der Wille die entscheidende Figur, sondern das Erbgut. Für Westerwelle sind Arme arm, weil sie sich weigern etwas zu leisten. Sarrazin hält Armut und Arbeitslosigkeit aber für das Ergebnis minderwertiger Gene. Das Ergebnis aus der falschen liberalen Analyse ist Zwang, Strafe und Fortbildung. Laut Sarrazin nützt das aber gar nichts, die nutzlose Unterschicht wird wegen ihrer Gene immer nutzlose Unterschicht bleiben, und kann sich nicht verbessern. Konsequenterweise lehnt Sarrazin deswegen auch jede Form von Fort- und Weiterbildung für Arbeitslose ab. Er hält das aus den falschen Gründen für rausgeschmissenes Geld, weil die degenerierte Erbmasse der Armen angeblich Lernen und Bildung überhaupt nicht erlaubt.
Sarrazin setzt also auch auf Biologisierung. Mit Kulturalisierung sind eher die liberalen Kritiker von Sarrazin am werkeln.
Hallo Sojo,
in meinem anderen Artikel zu Sarrazin beschreibe ich genau das, was du den liberalen Rassisten ganz zu recht attestierst.
Sarrazin mischt hier beides, eigentlich auf eine fast hinduistische bzw. karmistische Art: Der Fleiß der Eltern vererbt sich auf die nachkommenden Generationen (siehe z.B. Juden). Das können diese aber ändern, wenn sie nur wollen. In Europa macht er die “Rundumversorgung” dafür verantwortlich, dass es nicht klappt. Da es den Menschen in HartzIV super geht, sie ein Luxusleben führen, das viel besser ist als in ihrer “Heimat”, wollen sie nicht arbeiten und klagen nur darüber, dass sie ihre “extrenischen” Bedürfnisse nicht befriedigen können. Einen ganzes Unterkapital (S.168-185) widmet er nur dem Programm Menschen durch Arbeit zu erziehen.
Das vermittelt natürlich eine Aufstiegsperspektive: Anstrengen, strebsam sein, wenn es nicht mir dir klappt, dann eben mit deinen Kindern. Kenne ich ganz genauso aus Indien. Das erzählt man den Menschen dort auch, wenn sie für einen 1 Dollar am Tag in der Fabrik arbeiten. Seid bescheiden, gebt euer Geld nicht für Luxus ab und fördert eure Kinder. Sie werden später auch IT-Fachkräfte.
Du darfst eines hierbei auch nicht vergessen. Wir, du und ich und all die anderen, geben Sarrazin nur in wesentlichen Punkten wieder um seine Argumentation darzustellen. Die vielen, unwahrscheinlich vielen Fehler, Mängel und Unzulänglichkeiten in seiner Geschichtsschreibung, seiner statistischen Interpretation und Ökonomie kommen dabei gar nicht vor. Diese, um mal in Sarrazins Vokabular zu bleiben, Leistungsdefizite haben bei ihm aber eine bestimmte Funktion. Sie stützen seine Argumentation “empirisch” ab. Ich tue es mir aber nun nicht an diese Absurditäten noch mal hervorzukramen. Mit Sarrazins “Empirie” verhält es sich wie mit dem Laternenmast für einen Betrunkenen.
Dieser Mann hat eine These, wir brauche keinen Sozialstaat, weil sich die Bürger eigentlich durch Arbeit selbst versorgen können. Daran orientiert sich auch seine Zukunftsvision für die Menschen. Dieser Staat gibt nur noch eine Minimalversorgung – außer natürlich in der Standortpolitik für Investoren – und wir müssen schauen, wie wir uns alleine durchschlagen. Fortbildung, “Sozialrente” (z.B. S.124), Unterstützung kommt deswegen gar nicht vor. Sie soll sich nur noch auf einer Minimalversorgung bewegen (S.178). Wie du es auch ganz richtig gesagt hast, in diesen Zeiten kommen gewisse Kreise vor, die gegen Arme und Bedürftige hetzen um ihnen ihre Unterstützung streitig zu machen. Die große Zustimmung zu Westerwelle und Sarrazin zeigt auch, dass viele darin übereinstimmen. “Wir müssen eben alle Opfer bringen”: die Armen, Ausländer, Alleinerziehenden und Alten.
gutes nächtle, ich muss morgen wieder Leistung bringen um inkompetente Bundesbänker durchzufüttern.
Bei der WELT wird Walter Laqueur bekanntlich recht gern abgedruckt.
Ja, ich weiß, aber danke. Allerdings stelle ich mir eher die Frage, was Laqueur tatsächlich gesagt/geschrieben hat und was Sarrazin daraus gezogen hat.
Nach dem ihm bereits die Psychologen und Intelligenzforscher des, ich will es mal so ausdrücken, fahrlässigen Umgangs mit Quellen attestiert hatten, würde ich dazu generelle Rückschlüsse auf die Quellenarbeit ziehen. Anscheinend hat er wirklich nur das, was seine Meinung bestätigt und unterstützt, verwendet.